Die Geschichte des Penny Porto Systems

von Georg Finke, Leipzig 1890

Inhaltsverzeichnis

  • Porträt über James Chalmers

James Chalmers (* 2. Februar 1782 in Arbroath; † 26. August 1853 in Dundee) war Druckereibesitzer und Zeitungsverleger im schottischen Dundee. Ihm wird, wie auch Rowland Hill und Lovrenc Košir, die Erfindung der Briefmarke zugesprochen.

James Chalmers griff die Vorschläge des Londoner Verlegers Charls Knight vom Juni 1834 auf, der vorschlug, Verschlussstreifen für Zeitungen mit einem Wertstempeleindruck zu 1 Penny herzustellen. Dies sollte den Versand von Zeitungen durch die Post deutlich beschleunigen.

James Chalmers, der begeistert von dieser Idee war, begann bereits im August 1834 mit der Herstellung von kleinen aufklebbaren Zettelchen mit einem Wertstempeleindruck, die uns heute als Briefmarken bekannt sind.

Der Zeitungsverleger reichte jedoch seinen Vorschlag zur Einführung seiner Briefmarken erst im Februar 1838 ein. Anstoß der Veröffentlichung war, dass Rowland Hill mit seiner Postreform in einer Denkschrift erstmals an die Öffentlichkeit trat.

Die von James Chalmers eingereichten Briefmarkenentwürfe waren jeweils fünf zusammenhängende Stücke in rotem Druck, die bereits probeweise entwertet waren und sogar eine Gummierung besaßen.

Die Grundlage für seine Versuchsdrucke bildeten wahrscheinlich aufklebbare Steuermarken aus Großbritannien, die es damals für die verschiedensten Zwecke gab.

Am 6. Mai 1840 kam es schließlich zur Ausgabe der ersten Briefmarken der Welt im Vereinten Königreich. James Chalmers wurde in diesem Zusammenhang von Rowland Hill jedoch in keiner Weise erwähnt. Dies war lange Zeit die Grundlage zwischen den Streitigkeiten der Nachfahren Hills und Chalmers über die Frage nach dem wahren Erfinder der Briefmarke. James Chalmers erhielt 1846 eine Ehrengabe der Stadt Dundee für seine Verdienste zur Reformierung des Postwesens.



James Chalmers Grabmal
Abb. James Chalmers Grabmal
  • Einleitung des Verfassers Georg Finke

Am 6. Mai 1890 feiert die Briefmarke ihr 50 jähriges Jubiläum! Erst seit einem halben Jahrhundert besteht dieses uns jetzt so un- entbehrlich erscheinende, völkerverbindende Mittel zur Erleichterung des Verkehrs. Wann die Briefmarke in England zuerst eingeführt wurde wissen wir; aber zu unserer grössten Beschämung müssen wir gestehen, dass wir Kinder des 19. Jahrhunderts, das das der Forschung genannt wird, sage und schreibe 5 Decennien dazu gebraucht haben, um den wirklichen Erfinder dieses kleinen Wunderdinges, welches wir doch fast täglich vor Augen haben und das gewissermassen unter unseren Augen entstanden ist, feststellen zu können.

Bis vor Kurzem hat man allgemein den Engländer Sir Rowland Hill für den Erfinder der aufklebbaren Frankirungszeichen gehalten, bis vor einigen Jahren Patrick Chalmers die Ehre der Erfindung für seinen verstorbenen Vater, den Dundeer Buchhändler James Chalmers, in Anspruch nahm; für seine Behauptungen legte er unwiderlegbare Beweise in seinem Pamphlet nieder, welches im Jahre 1881 unter dem Titel? »The Benny Postage Scheme of 1837: was it an Invention or a Copy?« erschien.

Dieses wurde natürlich wieder von Pearson Hill, dem Sohne Sir R. Hill's bestritten. Lange wogte der erbitterte Kampf, in dem Pamphlete die Waffen waren, hin und her. Pamphlet folgte auf Pamphlet ! Da endlich senkte sich die Wagschale der Gerechtigkeit zu Gunsten der Anhänger Chalmers, Um die Aufklärung dieser nicht nur für uns Philatelisten so hochwichtigen Angelegenheit hat sich Carl von Gündel ein grosses Verdienst erworben, wofür ihm der aufrichtige Dank Aller gebührt.

Oberstlieutenant a. D. Carl von Gündel lebt in Baden bei Wien und widmet seine Zeit fast ausschliesslich grösseren philatelistischen Arbeiten, die später im Druck erscheinen sollen. Er hat es sich zur besonderen Aufgabe gemacht, die irrige Ansicht zu bekämpfen, dass Sir Rowland Hill der Erfinder der aufklebbaren Frankirungszeichen, sowie des billigen einheitlichen Portosystems sei. Er steht auf Grund seiner umfassenden und gründlichen Forschungen mit voller Ueberzeugung auf der Seite Chalmers- durch seine zahlreichen in den Fachorganen erschienenen Artikel und Abhandlungen hat er die Sache des letzteren auch durch die That unterstützt.

In Nachfolgendem soll nun eine Darstellung der brennenden Streitfrage, ob Hill oder Chalmers der Erfinder der Briefmarke ist, Platz finden. Ihre Verdienste sollen beiden ungeschmälert er- halten bleiben. »Suum cuique«, diesen Wahlspruch des preussischen Königshauses will der Verfasser auch zu dem seinigen machen und »Vincit Veritas« lautet das Motto dieser Schrift!

Zum Schluss spreche ich noch Herrn Oberstleutenant C. von Gündel an dieser Stelle meinen tiefgefühlten Dank aus für die freundliche Unterstützung, welche derselbe mir bei der Abfassung vorliegenden Werkchens hat angedeihen lassen.

Osnabrück 1888.

Georg Finke.



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